
Jedes System da draußen funktioniert. Nur nicht miteinander.
Warum ich BF-C.O.R.E.™ veröffentliche und warum der Standard ausdrücklich nicht behauptet, besser zu sein als euer Firmenkonzept.
Ich fange mit einem Kompliment an, und es ist ernst gemeint: Die Netzwerk-Konzepte, die ich in fünfzehn Jahren Seminararbeit in dieser Branche gesehen habe, sind zum größten Teil gut. Da haben sich Menschen Gedanken gemacht. Da wurde entschieden, dokumentiert, geschult. In manchen Firmen ist das eigene VLAN- und IP-Schema den Leuten so in Fleisch und Blut übergegangen, dass niemand mehr nachschlagen muss, die rechnen ihre Adressen im Kopf, während sie das Case noch aufklappen.
Und trotzdem stimmt etwas nicht. Denn all diese guten Konzepte enden an einer Linie, die mit Technik nichts zu tun hat: der Firmengrenze.
Der Moment, in dem es kippt
Innerhalb der Firma ist die Welt in Ordnung. Aber unsere Branche arbeitet nicht innerhalb von Firmen, sie arbeitet in Projekten. Und in Projekten mischen sich Gewerke, Dienstleister, Dry-Hire-Material und vor allem: Freelancer.
Ein guter Soloselbständiger arbeitet intensiv für vier, fünf Firmen. Fünf Firmen heißt: fünf VLAN-Schemata, fünf IP-Logiken, fünf Arten, dieselben Fragen zu beantworten. Bei jedem Wechsel heißt es umdenken, und zwar zusätzlich zu der technischen Entwicklung, die sowieso niemand von uns pausieren kann. Die Kapazität, sich fremde Systeme dauerhaft einzuprägen, ist begrenzt. Das ist keine Schwäche, das ist menschlich.
Das Ergebnis kennt jeder, der es erlebt hat: Rüstzeit, die fürs Verstehen draufgeht, statt für das Bauen. Fehlersuche, bei der nur die zwei Leute helfen können, die das Firmensystem kennen, nicht die zehn, die gerade da sind.
Die unbequeme Erkenntnis
Jetzt kommt der Punkt, der mir beim Schreiben des Standards am wichtigsten war, und der in keinem Marketing-Text stehen würde, wenn Marketing hier das Sagen hätte:
Technisch ist fast alles gleichwertig. Ob Licht auf der 500er- oder der 200er-Range liegt, ob die Management-Adressen so oder so gebildet werden, das sind Konventionen, keine Naturgesetze. Das eine funktioniert nicht besser als das andere.
Das heißt aber auch: Der babylonische Zustand unserer Branche ist nicht das Ergebnis unterschiedlicher technischer Anforderungen. Er ist das Ergebnis davon, dass nie jemand einen gemeinsamen Weg vorgeschlagen hat, dem zu folgen sich lohnt.
Und genau daraus folgt etwas Befreiendes: Wenn viele denselben Weg gingen, würde sich technisch nichts verschlechtern, aber organisatorisch fast alles verbessern.
Was dann möglich wäre
Stellt euch vor, ein nennenswerter Teil der Projektbeteiligten müsste die Basics, VLAN-zu-Gewerk, IP-Berechnung, Management-Adressen, nicht bei jedem Auftraggeber neu lernen, sondern würde sie schlicht beherrschen. So wie heute die Stammbelegschaft ihr eigenes System beherrscht, nur eben überall.
Das Setup ginge schneller, weil niemand rät. Die Fehlersuche ginge schneller, weil der Kollege am Nachbarpult das Netz lesen kann, ohne dass ihm jemand erst die Firmenkonvention erklärt. Und Dry-Hire bekäme eine neue Dimension: Lieferanten könnten nicht nur hardwareseitig passende Geräte liefern, sondern logisch passende, vorkonfiguriert nach dem Schema, mit dem die Produktion ohnehin arbeitet. Das erweitert den Markt für beide Seiten und spart genau die Stunden, die heute am teuersten sind.
Die Messlatte, an der ihr mich messen dürft
Ein gemeinsamer Standard funktioniert nur, wenn er den Entscheidern in den Firmen — also genau den Menschen, die bisher ihr eigenes System gebaut haben — die eigene Überlegung überflüssig macht. Nicht durch Überredung. Sondern weil an alles gedacht ist, was sie selbst hätten bedenken müssen.
Und er muss merkbar sein. So merkbar, dass man nach kurzer Eingewöhnung nicht mehr nachschlägt. Ein Standard, der nur im PDF lebt, ist keiner, er muss ins Gedächtnis passen, nicht in den Aktenordner.
BF-C.O.R.E. ist mit genau diesem Anspruch geschrieben. Ob er ihn erfüllt, kann ich nicht selbst beurteilen, das könnt nur ihr. Der Standard ist offen, kostenlos, herstellerneutral, und die zweite Ebene entwickeln wir gerade gemeinsam mit der Community weiter.
Base Framework for Converged Operations & Reliable Event-IT
Alle Informationen zum BF-C.O.R.E.™ Standard findest Du unter:

IT for AVs® | Bodo Felusch